Schulverweigerung bei Kindern – wenn morgens nichts mehr geht

Wenn ein Kind morgens nicht mehr in die Schule gehen kann, geraten Eltern oft schnell unter massiven Druck. Gespräche eskalieren, körperliche Beschwerden häufen sich, der Schulweg wird zum täglichen Kampf. Viele Eltern fragen sich: Ist das noch normales, temporäres Vermeidungsverhalten bestimmter Fächer, Lehrer, Schulsituationen – oder bereits Schulverweigerung?

Schulschwänzen oder Schulverweigerung – wo ist der Unterschied?

Schulschwänzen

Im Fall, dass Ihr Kind morgens das Haus verlässt und Sie im Glauben lässt, es sei in der Schule, reden wir über Schwänzen. Wenn Ihr Kind ohne Ihr Wissen einzelne Stunden oder Tage nicht in der Schule ist und nicht am Unterricht teilnimmt, dann handelt es sich dabei ebenfalls um Schulschwänzen. Im Teenageralter ist es nicht selten, dass Schüler zeitweise den Unterricht schwänzen – aus den verschiedensten Gründen.

Schulverweigerung

Wenn aber Ihr Kind längere Zeit zuhause bleibt, weil es körperliche Beschwerden hat, oder weil es diverse andere Gründe angibt und mit Ihrem Wissen quasi ganz offiziell nicht in die Schule geht, dann spricht man von Schulverweigerung.

Schulverweigerung kann auf Dauer zum dramatischen Problem werden und erzeugt massiven Druck bei Ihnen als Eltern. Es entsteht eine echte – aufgrund der Schulpflicht auch juristische –  Not und Sie kommen schnell extrem unter Zugzwang.

Welche Ursachen hat Schulverweigerung?

Es gibt vielfältige Ursachen für Schulverweigerung bzw. Schulvermeidung. Aber insgesamt stehen emotionale Gründe und Ursachen sehr deutlich im Vordergrund. Kinder – und jugendpsychiatrische Untersuchungen zeigen, dass familiäre Gründe wie anstehende Trennungssituationen der Eltern, selbst schwer körperlich erkrankte Elternteile oder psychisch kranke Elternteile häufig im Background von schulverweigernden Kinder zu finden sind.

Hinzu kommen Schwierigkeiten mit Mitschülern oder Lehrern bis hin zu Mobbing. Auch Leistungsprobleme und Entwicklungsdefizite und Auffälligkeiten in der sozial-emotionalen Entwicklung, die bis dahin nicht im Außen zum Problem wurden, sind oft Ursachen.

Wie entsteht Schulverweigerung?

Schulverweigerung beginnt nie abrupt und plötzlich. Vielmehr geht dem sichtbaren Symptom der Verweigerung ein meist langer, langsamer Prozess voraus, an dem in der Regel mehrere Faktoren beteiligt sind. 

Warum Schulverweigerung oft schleichend beginnt:

Beginn nach Krankheit

In aller Regel fängt es ganz unauffällig an. Sehr oft beginnt das sich anschließende Drama mit einer harmlosen Erkrankung, einer Grippe, Magen-Darm-Grippe, irgendeinem Infekt…. Die entsprechenden Symptome oder ein Teil davon – zB Schmerzen – bleiben aber nach Abklingen der eigentlichen Erkrankung bestehen und geben zunächst allen Beteiligten Rätsel auf.

Manchmal treten auch hartnäckige Einschlafprobleme oder stundenlange Schlaflosigkeit auf. Meist beginnt dann Ihr Kinderarzt mit der Suche nach den möglichen Ursachen, oft wird mit der Zeit eine wahre Facharzt-Odyssee daraus. Bis eines Tages klar ist, dass es definitiv keine körperlich fassbare Ursache für die Symptomatik gibt, vergeht oft viel Zeit. Zeit, in der Ihr  Kind zuhause ist und sich sukzessive somit auch immer mehr von der Schule entwöhnt.

So kommt zum ursprünglichen Grund, nicht in die Schule zu gehen, noch eine äußerst ungünstige Habituisierung (Gewohnheitsbildung) hinzu.

Beginn nach sozialen Belastungen/besonderen Vorkommnissen

Auch ein offen vom Kind thematisierter Streit mit Mitschülern, eine Mobbingsituation oder irgendeine sonstige eskalierende soziale oder eine angstbesetzte Situation in der Schule kann der Anlass dafür sein, dass Eltern und Kind entscheiden, kurzfristig den Schulbesuch zu unterbrechen.

Meist geschieht dies in der Hoffnung und mit der Idee, erst die Situation zu klären und dann wieder entspannt in die Schule gehen zu können. Oft entwickelt sich ein solcher Plan dann aber ebenfalls zum Anfang vom Ende des Schulbesuches. So bleibt es dann beim Fernbleiben von der Schule.

Wie gehen Schulen mit Schulverweigerung um?

Häufigkeit von Schulverweigerung

Psychiatrischen Untersuchungen zufolge, sind etwa 10-15% aller Schüler insgesamt schulmüde und intensiv lustlos-unmotiviert in Bezug auf Schule. Innerhalb dieser Gruppe kommt es entsprechend häufig zum Schulschwänzen. 5-8% der Schüler in Deutschland verweigern zeitweise die Teilnahme am Unterricht. Das heisst, statistisch betrachtet trifft es durchschnittlich ca. einen Schüler pro Klasse.

Reaktionen von Schulen

Da Schulverweigerung in der Regel schleichend beginnt, dauert es erfahrungsgemäß oft eine ganze Weile, bevor die Schule interveniert. Theoretisch besteht aufgrund der Schulpflicht sogar die Möglichkeit, dass Geldbußen gegen Sie als Eltern verhängt werden. Das aber passiert praktisch höchst selten und macht auch in den allermeisten Fällen keinen Sinn.

Eltern sind ab dem Moment, zu dem sie realisieren, dass sie mit Schulverweigerung konfrontiert sind, meist hochmotiviert, das Problem zu beheben. Gleichzeitig gibt es an deutschen Schulen nur in den allerseltensten Fällen entsprechend geschultes Personal, das Hilfe und Unterstützung anbieten könnte.

Und so entwickelt sich in der Mehrheit der Fälle eine Situation, in der die Schulen zunächst einfach abwarten, was sich entwickelt und welche Lösungen Sie finden. Sofern die Kinder krankgeschrieben sind, ist die Situation ja ohnehin aus Sicht der Schule juristisch klar.

Was hilft bei Schulverweigerung – was können Sie als Eltern tun?

Nicht warten – handeln!

Zunächst einmal: Ein früher Beginn von Hilfe ist von großer Bedeutung. Denn wie oben beschrieben macht jeder einzelne Tag, an dem Ihr Kind die Schule verweigert, das Problem nur noch immer und immer schlimmer. Jeder einzelne Morgen, an dem Sie wegen körperlicher Beschwerden, wegen Ängsten und Sorgen, wegen sozialer Ängste, wegen eskalierenden Situationen mit Geschrei und Wutanfällen, aggressiven Attacken…..kapitulieren müssen und Ihrem Kind das Zuhause-Bleiben erlauben, ist ein Verstärker und Verschlimmerer des Problems.

Ihr Kinder- und Jugendarzt tut Ihnen und Ihrem Kind keinen Gefallen, wenn es eine immer wieder neue Krankschreibung gibt. Auch wenn dies eigentlich unterstützend gemeint ist. Denn je länger Ihr Kind nicht in die Schule geht, umso schwerer wird es, den Wiedereinstieg zu schaffen.

Ab wann sollte man Hilfe suchen?

Selbst wenn noch eine endgültige Abklärung körperlicher Symptome und der Ausschluss körperlicher Ursachen aussteht, sollten Sie in Erwägung ziehen, sich bereits an einen fachkompetenten Therapeuten zu wenden. Denn wenn ärztlicherseits der Verdacht geäußert wird, dass die Symptomatik psychische Ursachen haben könnte, dann geschieht dies ja aus gutem Grund und mit deutlichen Hinweisen auf eine psychische Ursache.

Sollten sich dennoch körperliche Gründe als Ursache herausstellen, kann ein dann bereits hinzugezogener Therapeut nach der Diagnostik und evtl. Behandlung die Wiedereingliederung in die Schule sinnvoll und hilfreich unterstützen und begleiten.

Wer und was  hilft?

Aufgrund der Vielfalt der möglichen Verursacher von Schulverweigerung ist es immer notwendig und sinnvoll, im ersten Schritt eine ausführliche Anamnese und Diagnostik durchzuführen. Denn nur dann, wenn die zugrundeliegenden Ursachen bearbeitet werden, wird es keinen Rückfall in alte Muster, sondern eine dauerhafte Stabilisierung geben.

In meiner Praxis achte ich außerdem darauf, innerhalb einer möglichst kurzen Zeit einen Schulbesuch wieder möglich zu machen. Dabei arbeite ich auf Wunsch eng im Austausch mit Schule, Ärzten, Kliniken. Parallel zum erneuten Schulbesuch und weiterführend gestaltet sich dann die Therapie der Ursachen inhaltlich fortlaufend.

Für mehr Informationen oder Interesse an einem ersten Gespräch oder Therapieplatz erreichen Sie mich jederzeit telefonisch und über WhatsApp unter 0157 30969969 oder per mail unter brands.carolyn@gmail.com