Ich kann mich nie wirklich entspannen

Von der Angst vor dem Glück

Warum gute Phasen sich bedrohlich anfühlen können

Sie fragen sich, warum es Ihnen nie gelingt, wirklich entspannt und gelassen durchs Leben zu gehen? Sie sehen andere Menschen, die sich gut und gerne entspannen können und das ausgiebig genießen? Sie selbst haben schon wirklich viel versucht, um einmal in wirklich entspannte Zeiten zu kommen? Sie würden sich so sehr wünschen, auch einmal wirklich „runterzukommen“?

Dann finden Sie sich hier vielleicht wieder:

Alles läuft gerade gut. Wirklich gut.

Die Arbeit funktioniert. Beziehung, Kinder, Haustiere…sind in ruhigen Bahnen. Kein Drama. Keine Krise weit und breit.

Und trotzdem ist da dieses leise, nagende Gefühl, das Sie einfach nicht loswerden:

—–Wann kommt das Nächste—-?….

Sie kennen das. Diesen Moment, in dem Sie mitten in etwas Schönem plötzlich merken, dass Sie nicht wirklich dabei sind. Dass Sie nicht das Schöne und Gute, das gerade in Ihrem Leben ist, auskosten und voller Freude genießen können. Dass Sie beobachten, warten, horchen. Als würden Sie auf ein Signal warten, das noch nicht gekommen ist – aber kommen MUSS.

Vielleicht nennen Sie das Pessimismus. Vielleicht sagt Ihr Umfeld, Sie wären immer „so negativ“. Vielleicht haben Sie es selbst sogar schon ein bisschen geglaubt. Aber: das ist kein „Fehler“ in Ihrer Persönlichkeit:

Das ist Ihr Nervensystem – und es macht genau das, wofür es einmal trainiert wurde.

Der Irrtum, der alles komplizierter macht

Üblicherweise denkt man ja, Angst entstehe, wenn etwas Schlimmes passiert oder zu passieren droht. Wenn die Kündigung kommt, jemand ernsthaft krank wird. Wenn ein Streit eskaliert. Wenn die Dinge schieflaufen.

Das stimmt so natürlich auch. Aber: es ist nur die halbe Wahrheit.

Denn die Nervensysteme mancher Menschen haben gelernt, dass VOR dem Schlimmen immer etwas Ruhiges war. Eine Phase, in der alles okay schien. Eine Zeit, in der man aufgeatmet hat, Leichtigkeit spürte… und dann kam der Einschlag.

Das Gehirn ist eine Lernmaschine. Es sucht stets nach Mustern. Und wenn es oft genug erlebt hat, dass Ruhe und Wohlgefühl einem Sturm an Stress vorausgegangen sind, dann tut es genau das, was es für seine Aufgabe hält: Es schlägt Alarm.

Es schlägt Alarm beim ersten Anzeichen von Sicherheit. Klingt paradox. Ist es aber nicht. Es ist vielmehr Schutz. Sehr alter, sehr gut eingeübter Schutz.

Was in Ihrem Gehirn wirklich passiert

Der Fachbegriff dafür lautet Konditionierung – auch wenn das ein wenig nach Laborratten klingt.

Konditionierung bedeutet: Ihr Nervensystem hat früh gelernt, bestimmte Reize mit Gefahr zu verknüpfen. Nicht unbedingt laute Reize. Manchmal gerade die leisen. Ruhe. Entspannung. Das Gefühl, das nichts zu tun ist.

Diese Verknüpfungen sind nicht bewusst. Sie sitzen tiefer – im limbischen System, im Körpergedächtnis, in reflexartigen Reaktionen, die schneller feuern als jeder Gedanke.

Die Amygdala – das Alarmsystem Ihres Gehirns – arbeitet dabei wie ein Archiv. Die Amygdala speichert den gesamten Kontext, der einer Bedrohung bzw. bedrohlichem Stress vorausging. Gerüche, Stimmungen, körperliche Zustände. Auch Entspannung. Auch Leichtigkeit. Wenn diese Zustände oft genug dem vorausgingen, was dann stressig/bedrohlich/schlimm danach kam, werden sie selbst zum Signal. Nicht bewusst entschieden – sondern automatisch, blitzschnell, unterhalb der Wahrnehmungsschwelle.

Erschwerend kommt hinzu, was sehr belastende oder traumatische Erfahrungen mit dem Nervensystem machen. Denn, besonders, wenn solche Erfahrungen sich wiederholt haben, oder früh im Leben waren, hinterlassen Sie keine abgeschlossenen Erinnerungen. Sie hinterlassen Zustände.

Wie der Körper sich erinnert

Der Körper erinnert sich nicht wie ein Tagebuch. Er erinnert sich wie ein Reflex. Das bedeutet: eine gute Phase, ein ruhiger Abend, ein Moment echter Entspannung kann denselben neurobiologischen Fingerabdruck tragen wie die Stille vor dem Sturm, den Sie früher erlebt haben. Das Gehirn unterscheidet das nicht – zumindest nicht automatisch. Es erkennt das Muster – und dann schützt es sie davor.

Der präfrontale Kortex – der Teil, der denkt, abwägt, beruhigt – kommt dabei oft garnicht erst zum Zug. Die Reaktion ist viel schneller da, als das Denken einsetzen kann und Sie verstehen könnten. Das ist der Grund, warum ihnen jemand sagen kann: „Genieß es doch einfach!“ – und Sie innerlich denken: ja, würde ich ja nur zu gerne. Und trotzdem geht es nicht! Wissen verändert diese Abläufe und Reaktionen nicht. Weil das Wissen im falschen Stockwerk sitzt.

Was das konkret für Sie bedeutet

Wenn Glück, Leichtigkeit, Entspannung Alarm auslösen, dann passieren typische Dinge:

Sie werden unruhig, obwohl es eindeutig keinen Grund gibt. Sie fangen an, gedanklich katastrophisierend vorausplanerisch zu werden – nicht weil Sie negativ denken wollen, sondern weil Ihr Gehirn „Vorbereitung“ als Sicherheitsstrategie kennt. Vielleicht machen Sie unbewusst das Schöne, Leichte kaputt – die gute Stimmung, einen schönen Abend, eine entspannte Phase – bevor das Leben es tun kann. Das nennt man Erwartungsangst. Und sie ist nicht irrational. Sie ist der Feuermelder. Nur: Der Feuermelder piept und es brennt gerade garnichts! Das Problem ist nicht der Alarm selbst – das Problem ist, dass der Alarm falsch verdrahtet ist. Er reagiert auf Sicherheit wie auf eine Gefahr. Und solange diese Verknüpfung im Nervensystem gespeichert ist, hilft kein noch so guter Vorsatz.

Wie ich in der Therapie damit arbeite

In der Therapie interessiert mich nicht zuerst das Verhalten. Es interessiert mich die Frage: Wann hat das Nervensystem das gelernt – warum und unter welchen Bedingungen?

Wir suchen dabei allerdings nicht nach Schuldigen. Wir suchen nach dem Ursprung – nach den Erfahrungen, die diesen Alarmfolgt auf Sicherheit-Reflex einmal sinnvoll gemacht haben. Oft liegt das weit zurück. Oft ist es auch kein einzelnes Ereignis, sondern ein Muster kumulativer Belastungen: eine Kindheit, in der Harmonie immer zerbrechlich war, eine Bindungsbiografie, in der Sicherheit nie verlässlich blieb…

Die Grundlage meiner Arbeit ist traumasensibles Denken – die Überzeugung, dass hinter scheinbar irrationalen Reaktionen ein Nervensystem steckt, das unter den damaligen Bedingungen genau richtig reagiert hat. Diese Haltung verändert, wie Therapie sich anfühlt: nicht als Korrektur eines Fehlers, sondern als Nachjustierung eines Systems, das bestimmte Erfahrungen nie integrieren konnte.

Therapie mit EMDR und körperorientiert

Methodisch arbeite ich dabei mit EMDR – einem der am besten erforschten Therapieverfahren zur Behandlung (traumatischer) dysfunktionaler Gedächtnisstrukturen. EMDR setzt nicht auf kognitive Einsicht, sondern auf die direkte neurobiologische Verarbeitung: durch bilaterale Stimulation werden gespeicherte belastende Inhalte in ein adaptives Verarbeitungsnetzwerk überführt. Die emotionale Ladung, die an alten Verknüpfungen hängt, verliert ihre Reaktivität – nicht, weil die Erinnerung gelöscht wird, sondern weil sie ihren Alarmcharakter verliert. Der Feuermelder lernt wieder zu unterscheiden: echter Rauch oder frische Luft.

Ergänzend arbeite ich bei Bedarf körperorientiert – weil hochbelastendes Erleben im Körper gespeichert ist und auch dort erreicht werden muss. In der tiergestützten Arbeit mit Hunden oder Pferden kommt eine weiterer Wirkfaktor hinzu: Sie sind hochsensible Beziehungswesen mit einem fein kalibrierten Nervensystem. Sie reagieren unmittelbar auf den Regulationszustand ihres Gegenübers – und machen damit sichtbar, was sonst unsichtbar bleibt. Das schafft therapeutische Momente, die sich über einen kognitiven Zugang allein nicht herstellen lassen.

Wenn Sie merken, dass dieses Thema Sie persönlich betrifft und Sie mit EMDR an den zugrunde liegenden Ursachen arbeiten möchten, begleite ich Sie sehr gerne in einem ersten Gespräch.

Für mehr Informationen oder Interesse an einem ersten Gespräch oder Therapieplatz erreichen Sie mich jederzeit telefonisch und über WhatsApp unter 0157 30969969 oder per mail unter brands.carolyn@gmail.com

In meinem Podcast Inside Therapie finden Sie viele weitere Infos – auch zu EMDR – und können Patienten hören, die von ihrem Weg zum Therapieerfolg berichten

Spezielle Therapie-Formate:

Es besteht auch die Möglichkeit, Ihr Thema in einer Kompakt-Therapie zu behandeln. In wenigen Tagen intensiver Behandlung erreichen sie in angenehmer Wohlfühlatmosphäre deutliche Erfolge, die sonst Wochen oder Monate benötigen würden. Terminstress und Alltags-Themen bleiben außen vor und Sie können unabhängig vom Therapieangebot an Ihrem Heimatort mein besonderes Therapiekonzept in Anspruch nehmen.

Kurz und kompakt. Vollkommen fokussiert. Weit jenseits des Alltags. Intensivtherapie auf Sylt. Infos hier