
Eifersucht – ein Beziehungsmuster aus Angst und Kontrolle
Eifersucht wird häufig als individuelles Problem missverstanden und als übersteigertes Gefühl einer einzelnen Person betrachtet. Tatsächlich aber treffen die Folgen in der überwiegenden Zahl der Fälle beide Beziehungspartner und entfalten ihre Wirkung fast immer im Beziehungsraum selbst – da, wo Bindung und Verletzbarkeit aufeinandertreffen.
Die Partnerschaft gerät dabei in eine oft maximale Spannung, die dann für beide Seiten zur Belastung wird – wenn auch aus ganz unterschiedlichen Gründen.
Während die eifersüchtige Person innere Unruhe, Kontrollimpulse und die ständige Angst vor Verlust erlebt, erfährt die andere kränkendes Misstrauen, Einschränkungen und einen schleichenden Verlust äusserer und innerer Freiheit. Die Beziehung zwischen den beiden Partnern verliert an Selbstverständlichkeit.
Zwei Perspektiven eines konflikthaften Feldes
Die Perspektive des eifersüchtigen Partners
Auch wenn es auf den ersten Blick so aussieht: Eifersucht entsteht selten aus einem Machtanspruch oder Besitzdenken heraus. Vielmehr ist sie das Resultat eines inneren Erlebens von grosser Unsicherheit, das die Bindung zum Partner permanent als gefährdet erscheinen lässt. Die tiefe Angst, ersetzt, verlassen oder entwertet zu werden, steht im Vordergrund und quält den Betroffenen.
Gedanken kreisen unablässig um die Beziehungsqualität, Vergleiche drängen sich auf und harmlose Situationen erhalten eine bedrohliche Bedeutung. Die einzige Möglichkeit, diese katastrophisierenden Gedanken und die hohe innere Anspannung loszuwerden, oder zumindest zu reduzieren, scheint in Kontrolle zu liegen: Nachfragen, Hinterfragen, Überprüfen, Rückversichern….
Dadurch entsteht zunächst jeweils kurzfristig Erleichterung, langfristig aber wächst die zugrundeliegende Angst und Unsicherheit und damit auch die Abhängigkeit von immer neuer äusserer Beruhigung und Bestätigung. Auf diese Weise führt die die offen gezeigte Eifersucht mit erfolgender Beruhigung durch den Partner zu einem Ersatz für Selbstregulation. Der eifersüchtige Partner bleibt abhängig von externer Kontrolle und Beruhigungsroutinen und engt seinen Handlungsspielraum damit zunehmend ein, lässt die Ängste parallel immer mehr Raum einnehmen.
Die Perspektive der anderen Person
Die jeweiligen Partner erleben die Eifersucht als etwas, das sich meist erst nach der ersten Verliebtheitsphase Stück für Stück in den Beziehungsalltag einschleicht.
Typischerweise entwickelt sich:
- Das Gefühl, sich ständig rechtfertigen und vollkommen transparent sein zu müssen
- Einschränkungen im sozialen und/oder beruflichen Umfeld
- Permanente Schuldgefühle
- Die Angst, Eifersucht beim Partner auszulösen
- Emotionale Erschöpfung durch Rücksichtnahme und Verantwortungsübernahme für das Wohlbefinden des Anderen
- Die Beziehung verliert jede Leichtigkeit
In der Folge kommt es oft dazu, dass der Partner sich mehr und mehr zurückzieht, Leichtigkeit und Ruhe woanders sucht – das wiederum bestätigt dann die Sorgen und Ängste des Eifersüchtigen.
Ursachen von Eifersucht
Die Ursachen von Eifersucht liegen in frühkindlichen und kindlichem Beziehungserleben und in früh geprägten Selbst – und Bindungserfahrungen. Eifersucht hat mit der Beziehung im Hier und Jetzt in der Regel wenig bis gar nichts zu tun. Häufig stehen dabei fragile Selbstwertstrukturen und eine tief verankerte Verlustangst, die ihre Ursprung in frühen Beziehungserfahrungen haben, im Zentrum.
Viele eifersüchtige Menschen haben Bindung und emotionale Nähe in ihrer Kindheit als unsicher erlebt. Zuwendung war nicht verlässlich, emotionale Nähe schwankend oder garnicht vorhanden, Anerkennung, Akzeptanz und Liebe an Bedingungen geknüpft oder konkurrierend verteilt.
Aufmerksamkeit bekam man nicht um seiner selbst willen, sondern nur unter bestimmten Voraussetzungen, man musste sich behaupten und jede Form von Zuwendung und Bestätigung war jederzeit entziehbar. In solchen Kontexten entsteht kein stabiles Selbstwertgefühl, sondern eines, das sich aus äusserer Bestätigung speist statt aus innerer Sicherheit.
Diese frühe Erfahrung prägt die innere „Idee von nahen Beziehungen“ nachhaltig. Bindung und emotionale Nähe werden nicht als tragfähiger Raum erlebt, sondern als etwas, das ständig bedroht ist. Die Angst, ersetzt, übersehen oder fallen gelassen zu werden, ist dabei nur sekundär eine Reaktion auf den individuellen aktuellen Partner, sondern primär ein Wiederauftauchen und Aktivieren uralter Muster und neuronaler Verknüpfungen.
Eifersucht als Schutzfunktion
Eifersucht übernimmt in einem solchen inneren System eine regulierende und schützende Funktion. Sie richtet den Blick permanent auf potentielle Gefahren, vergleicht, prüft, bewertet, sichert, überwacht, kontrolliert….um den eigenen Wert für den Partner in der Beziehung abzusichern. Die Kontrolle, die ausgeübt wird und das permanente Misstrauen dienen dazu, die in jeder Beziehung auftretende angenommene drohende Verlusterfahrung zu verhindern und das Risiko einer erneuten Verletzung zu minimieren.
In diesem Prozess steigt jedoch nur immer weiter der Druck und die Angst wächst – eine echte Stabilisierung oder Beruhigung, echte Sicherheit entsteht so nicht. Im Gegenteil, es wächst nur die Abhängigkeit von äusserer Rückversicherung immer weiter.
Eifersucht kann Beziehungen zerstören
Die Logik und Dynamik von Eifersucht scheint zunächst fast wie ein charmantes Kompliment – zeigt sie doch vermeintlich die grosse Bedeutung des Beziehungspartners. Langfristig aber ist Eifersucht für eine Beziehung strukturell zerstörerisch. Sie verändert die Grundlage von Nähe und verschiebt sie: Aus Freiwilligkeit und Angenommen sein wird Pflicht und kritische Überprüfung, aus Vertrauen und Loyalität wird ständige Beteuerung und Verifikation. Aus einer aus Liebe und emotionaler Nähe entstandenen inneren Haltung wird eine Leistung. Statt Sicherheit und Geborgenheit übernimmt anstrengende Anforderung.
Die ausgeübte Kontrolle und das offen gezeigte Misstrauen erzeugen eine deutliche Asymmetrie in der Beziehung. Die eifersüchtige Person definiert, was erklärt, begründet oder transparent gemacht werden muss, sie formuliert Bedingungen. Die andere Person gerät in die Rechtfertigungsrolle. Das Beziehungsklima verändert sich nachhaltig und auf Dauer sind beide Partner angespannt und erschöpft. Für den eifersüchtigen Partner bestätigen sich nun alle Unterstellungen: der Partner geht auf Distanz, wendet sich womöglich anderen Menschen verstärkt zu.
Braucht Eifersucht eine Therapie?
Klares JA immer dann, wenn man feststellt, dass eine Beziehung in eine solche Dynamik gerät und/oder dies immer wieder und überdauernd das Muster in Beziehungen ist. Es gilt, die zugrundeliegenden frühen Beziehungs – und Bindungserfahrungen unter die Lupe zu nehmen, die Muster und den roten Faden zur heutigen Eifersucht zu suchen und darin zu erkennen und dann therapeutisch anzugehen.
Wenn diese Muster derart alt sind – kann man sie dann überhaupt noch verändern?
Nochmal ein klares JA! Mit EMDR kann man diese alten Verknüpfungen auflösen und im Hier und Jetzt – zunächst geschützt im therapeutischen Rahmen zB mittels tiergestützter Therapie – und dann zunehmend auch im Alltagsleben, Beziehung und Bindung durch andere Erfahrungen neu und verändert lernen. Auf diese Weise werden die innere Alarmbereitschaft und die antizipierten negativen Erfahrungen Stück für Stück reduziert und es entstehen neue Beziehungs – und Bindungsrepräsentanzen, so dass Liebe und emotionale Nähe ohne permanent aktiviertes Nervensystem möglich werden.
Für mehr Informationen oder Interesse an einem ersten Gespräch oder Therapieplatz erreichen Sie mich jederzeit telefonisch und über WhatsApp unter 0157 30969969 oder per mail unter brands.carolyn@gmail.com
In meinem Podcast Inside Therapie finden Sie viele weitere Infos und können Patienten hören, die von ihrem Weg zum Therapieerfolg berichten